Dr. Martin Luther in der Philatelie
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Neusatzschule

Die Neusatzschule in Worms zählt zu den bedeutendsten historischen Schulbauten der Stadt und wurde im Jahr 1891 nach den Plänen des Stadtbaumeisters Karl Hofmann errichtet. Sie ist das zweitälteste erhaltene Schulgebäude in Worms. Der Name „Neusatz“ verweist auf „neubesetztes Land“ und deutet damit auf das Gelände hin, auf dem die Schule entstand. Dieses befand sich südlich der damaligen Stadtmauer und war bis 1974 Standort der Lederfabrik „Wormatia“. Der Bau der Schule stellte somit einen wichtigen Ausgangspunkt für die südliche Stadterweiterung dar, wie sie im Rahmen von Hofmanns Stadtplanung vorgesehen war.

Wormser Volksschule - Schulhaus-Neusatzschule-Historie-Front
Wormser Volksschule - Schulhaus-Neusatzschule-Historie-Front
NEUSATZSCHULE VOR 1945. STRASSENANSICHT
NEUSATZSCHULE VOR 1945. STRASSENANSICHT
Neusatzschule ORIGINAL BAUPLAN HOFMANNS
Neusatzschule ORIGINAL BAUPLAN HOFMANNS
Neusatzschule_WIEDERAUFBAU DER NEUSATZSCHULE NACH 1945
Neusatzschule_WIEDERAUFBAU DER NEUSATZSCHULE NACH 1945
Neusatzschule KNABENSEITE IM OSTEN
Neusatzschule KNABENSEITE IM OSTEN
Neusatzschule MÄDCHENSEITE IM WESTEN
Neusatzschule MÄDCHENSEITE IM WESTEN

Bereits im Frühjahr 1888 beschloss die Stadtverordnetenversammlung den Bau einer neuen Schule, um den steigenden Bedarf im südlichen Stadtgebiet zu decken. Ursprünglich war eine sechzehnklassige Volksschule geplant, doch während der Planungsphase wurde das Raumprogramm auf 21 Klassen mit jeweils 80 Sitzplätzen erweitert. Gleichzeitig wurde das Gebäude von drei auf vier Geschosse erhöht. Der Rohbau konnte im März 1891 abgeschlossen werden, sodass die Schule noch im selben Jahr, am 20. September 1891, eröffnet und in Betrieb genommen wurde.
Zur Zeit ihrer Errichtung war die Neusatzschule strikt nach Geschlechtern getrennt organisiert. Es gab eine „Knabenseite“ im Osten und eine „Mädchenseite“ im Westen, jeweils mit eigenen Eingängen, Treppenhäusern und Schulhöfen. Lediglich der große Zeichensaal im obersten Geschoss wurde gemeinsam genutzt. Ergänzt wurde das Raumangebot durch Lehrerzimmer, Bibliotheks- und Lehrmittelräume sowie ein Brausebad im Keller. Hinter dem Hauptgebäude befand sich zudem eine rechtwinklig angeordnete Turnhalle, die gleichzeitig als Trennung der beiden Schulhöfe diente.
Architektonisch handelt es sich um einen monumentalen Solitärbau im neuromanischen Stil des sogenannten Nibelungenstils. Die repräsentative Gestaltung aus rotem und gelblichem Sandstein sowie dunklem Granit orientiert sich bewusst an romanischen Vorbildern, die das Stadtbild von Worms prägen. Die Fassade wird durch einen leicht vorspringenden Mittelrisalit mit zwei Rundbogenportalen bestimmt. Darüber befindet sich ein großes, ursprünglich zehngliedriges Fensterband, das durch Einzel- und Doppelsäulen rhythmisch gegliedert ist. Ein hoher Giebel mit zwei flankierenden achteckigen Turmspitzen bildete ursprünglich den markanten Abschluss über dem Eingangsbereich. Zusätzlich unterstreichen Rundbogenfriese und weitere historisierende Details die gestalterische Verbindung zur Romanik, während die klare Gliederung des Baukörpers auf eine funktionale Planung hinweist.
Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Neusatzschule schwere Schäden: Am 21. Februar 1945 wurde sie bei einem Luftangriff nahezu vollständig zerstört, wobei insbesondere der Dachbereich ausbrannte und nur die Grundmauern erhalten blieben. In der Nachkriegszeit erfolgte ein weitgehend originalgetreuer Wiederaufbau, der jedoch einige Veränderungen mit sich brachte. So wurde der prägende Giebel mit den beiden Türmen nicht wiederhergestellt. Stattdessen wurde ein zusätzliches Geschoss eingefügt, wodurch sich die Proportionen des Gebäudes veränderten. Auch das Dach fällt heute flacher aus als das ursprüngliche Krüppelwalmdach. Besonders an den Schmalseiten sind die Eingriffe sichtbar, da die klare Gliederung Hofmanns durch neue bauliche Elemente teilweise verloren ging.
Vom ursprünglichen Erscheinungsbild sind heute nur noch Fragmente erhalten. Dazu zählen insbesondere die beiden Drachenfiguren an der Frontfassade, die das Namensschild der Schule einrahmen und als originale Bauteile an die ursprüngliche Gestaltung erinnern. Der Wiederaufbau zeigt zugleich einen bewussten Abstand zum Historismus, was dem Leitgedanken des „Neuen Worms“ entspricht und den Übergang zu moderneren architektonischen Vorstellungen verdeutlicht.
Auch im Inneren kam es zu grundlegenden Veränderungen. Die früher strikte Geschlechtertrennung wurde aufgehoben, was sich deutlich auf die Nutzung der Räume und das pädagogische Konzept auswirkte. Heute beherbergt das Gebäude mehrere Bildungseinrichtungen, darunter eine Grundschule, ein Förderzentrum, die Geschwister-Scholl-Schule sowie die Volkshochschule. Damit erfüllt die Neusatzschule weiterhin eine zentrale Rolle im Bildungswesen der Stadt, wenn auch in baulich und funktional angepasster Form.
Insgesamt stellt die Neusatzschule ein bedeutendes Beispiel für die Verbindung von historischer Architektur, städtebaulicher Entwicklung und gesellschaftlichem Wandel dar. Sie zeigt sowohl die gestalterischen Prinzipien Karl Hofmanns als auch die Veränderungen, die durch Krieg, Wiederaufbau und moderne Anforderungen an Bildungseinrichtungen im Laufe der Zeit entstanden sind.




 
 
 
 
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